Backpacker Küche

Backpacker Küche

Ganz enthusiastisch hatten wir in unserem Reiseblog noch die Rubrik 'Kulinarisches' eingerichtet. Dachten wir doch, dass wir durch die Küchen unserer Reiseländer inspiriert, selber häufig was köstliches zaubern würden und das wollten wir dann als Abwechslung zu den reinen Reiseberichten präsentieren.

Allerdings sind unterwegs ganz andere Herausforderungen zu meistern, wenn es ums Kochen geht. Zum einen die zur Verfügung stehende Küchenausstattung und zum anderen die Zutaten, die zwar im Prinzip in großer Auswahl zu kaufen sind, man aber ungern zuviel davon mit sich rumschleppen möchte bei der Weiterreise.

Küchenausstattung

Je nachdem wo man ist oder auch was für eine Art von Unterkunft man sich leistet gibt es eine ganze Bandbreite von zur Verfügung stehenden Equipment. Es ist deshalb sinnvoll dass man zumindest ein paar Dinge selber eingepackt hat, falls gar nichts zur Verfügung steht.

Unsere Basisaustattung:
  • Becher (wir haben welche zum 'zusammenfalten'): Gut für eine Flasche Wein, aber auch zum Müslieessen.
  • Göffel, Spork oder wie man sie auch nennen will – also eine Kombination aus Löffel und Gabel.
  • Das Schweizer Taschenmesser: Messer, Dosenöffner, Korkenzieher, Schere (der Rest der Features ist in der Regel zweitrangig, aber vielleicht kommt er ja noch der Moment, wo ich ganz glücklich bin, dass wir sogar eine Säge mit eingebaut haben…)
Was einem so in der Unterkunft zur Verfügung steht, wenn man unterwegs ist:
  1. Nichts (das war in Asien so der Normalfall, aber da ist Streetfood eh die bessere Alternative), manchmal gab es zumindest einen Wasserkocher – auch allgemein was man so vorfindet, wenn es sich Hotel nennt (wobei Businessapartments teilweise noch eine Kochecke haben, so wie bei uns in Dubai).
  2. Mikrowelle und Wasserkocher (z.B. in unserem ersten Hostel in Melbourne)
  3. Küche mit Herd (aktuell der Standard auf den Campingplätzen in Australien bzw. auch vorhanden in unserem Camper).
  4. Küche mit Herd und Ofen (Fast immer in den bbh Hostels in Neuseeland).

Zutaten

Insbesondere, wenn man noch mit Bus und Bahn unterwegs ist, möchte man ungern Mengen an Lebensmitteln mit sich rumschleppen und selbst wenn man ein Auto hat muss man sich zurück halten, schliesslich will man nicht zuviel über haben, wenn das Auto wieder zum Vermieter zurück geht.

Auch hier hilft der Backpacker-Ansatz dass alles mehrfach verwendbar ist, z.B. kommt Butter nicht nur auf's Brot oder in Crepeteig, es lässt sich damit auch braten, so dass man das Sonnenblumenöl besser im Supermarkt lässt. Und dann ist es halt praktisch wenn grössere und schwere Zutaten nach zwei, drei Tagen alle sind, sprich dann wenn es wieder weitergehen soll. Also kombiniert man die Gerichte so, dass die Kilopackung Mehl komplett aufgebraucht wird.

Mit der Basisausstattung von oben, ist man zumindest für das Frühstück immer gerettet. Etwas Brot mit Honig oder Nutella und ein paar Teebeutel oder Instantkaffee und der Tag kann beginnen. Für Unterwegs hatten wir dann immer Bananen oder Äpfel und Müsliriegel im Gepäck.

Gerichte ohne alles

Naja, erwartet nun mal keine kulinarischen Höchstleitungen. Sind halt die Dinge die uns eingefallen sind, um nicht den Abend mit Chips und Bier zu verbringen. Erweiterung der Basisausstattung sind hier die grundlegenden Gewürze, die auch später immer wieder nötig sind: Salz, Pfeffer und eine italienische Kräutermischung.

  • Tomaten-Mozzarella Salat (jeder andere Salat geht natürlich auch, aber dann muss man sich schon wieder Gedanken bzgl. des Dressings machen)
  • Käseteller und eine Flasche Wein
  • Paprika, Möhren mit einem fertigen Dip
Mit Wasserkocher

So kann man selbst im Hotelzimmer ein warmes Esses machen und ausserdem natürlich nötig für Kaffee oder Tee. Auch jetzt wird es nicht echt spektakulär und hausgemacht. Ist mehr die Fortsetzung unserer Zeit in Vietnam. Da gab es im Zug auch immer einen Hahn mit heißen Wasser.

  • Cup-Nudeln
  • Pasta-Quick (so nennen wir die Tüten mit Nudel bei denen gleich die Soße in Pulverform dabei ist)
  • Tütensuppen
Küche mit Herd (und Ofen)

So jetzt kann es also endlich losgehen, das richtig selbst was kochen. Trotzdem fehlen immer wieder Kleinigkeiten, die Zuhause selbstverständlich sind. Kartoffelpuffer mit Apfelmus, sehr lecker, aber ohne Reibe nicht zu machen (und fertig im Supermarkt gibt es die wohl nur in Deutschland, selbst in den Niederlanden findet man sowas nicht, geschweige denn in Neuseeland oder Australien).

Die Klassiker mit denen seit Jahren tausenden von Studenten überleben sind natürlich auch hier gern genommen: Pizza und Pasta. Allerdings funktioniert dass mit der Pizza natürlich nur mit Ofen. Als neue Standardzutaten brauchen wir nun purierte Tomaten. Damit kann man zum einen leicht eine Pastasauce machen oder die Pizza mit bestreichen, aber auch mal beim Anbraten von Fleisch schnell mal etwas mehr Geschmack an den “Bratensaft” bringen.

Unsere Standardnudelsauce:

  • Zwiebelwürfel und etwas Knoblauch anbraten.
  • Optionel eine paar Champions, Möhren und/oder Hackfleisch hinzu.
  • Die pürierten Tomaten und natürlich die italienische Kräutermischung.

Pizza kann man natürlich auch aus dem Tiefkühlfach kaufen, aber selber machen ist auch nicht weiter schwer. Für den Teig für ein Blech braucht man:

  • 300 g Mehl
  • 150 ml Wasser
  • Salz, einen Teelöfel
  • Hefe, eine 3g Tüte oder halt einen Teelöfel

Grösstes Problem kann die Hefe sein, da wir die Unterwegs nur in Grosspackungen gefunden haben. Aber auch Mehl kommt meist in 1 kg oder wie in Neuseeland selbst in 1,5 kg Packungen. Deshalb zum einen einfach mehr Teig machen, denn damit lassen sich auch einfach Brötchen zum Frühstück backen (Deutsche sind scheinbar eh im Ausland bekannt dafür, dass sie andauernd backen). Weiter lässt sich das Mehl aber auch prima noch für Crepeteig verwenden.

Wiegen der Zutaten ist nicht ganz so wichtig, am besten das Wasser in Etappen zugeben, der Teig muss eine recht feste Masse ergeben, die zum einen nicht krümelig ist aber auch nicht feucht. Einfach mehr Mehl oder ein paar Spritzer Wasser hinzugeben bis es passt. Mehrmals den Teig ruhen lassen und dann erneut kneten. Damit kann man auch zwei Stunden verbringen aber nach einer halben kann man auch schon Pizza machen die schmeckt.

  • Teig ausrollen mit der Weinflasche vom Vortag. Blech gut mit Mehl bestäuben, wenn Backpapier fehlt.
  • Dann die pürierten Tomaten darauf verteilen und mit den italienischen Kräutern würzen (ruhig grosszügig)
  • Dann geraspelten Käse (am besten Mozzarella), dann kommen bei uns in der Regel Champions und Salami, aber da kann jeder machen was er will und nochmal abschliessen mit einer guten Schicht Käse.
  • 20 min in den Ofen, Umluft, besser keine Ober- oder Unterhitze.

Mit frisch gemachten Teig wird die Pizza am besten, aber er lässt sich auch vorbereiten und dann in Klarsichtfolie eingewickelt in den Kühlschrank aufbewahren. Eine Plastiktüte erfüllt hier unterwegs den gleichen Zweck.

Für die Brötchen einfach den gleichen Teig in kleinen Teiglingen ebenfalls für 20 min in den Ofen.

Mit einer kleinen Erweiterung der Zutaten lässt sich dann auch gleich Crepeteig machen. Eier und Butter hinzu und Hefe weglassen:

  • 300 g Mehl
  • 50 g Butter (als letztes einrühren, vorher im Topf schmelzen)
  • 4 Eier
  • Eine Prise Salz
  • Und natürlich Nutella als Topping, die hat man ja eh schon von der Frühstückausstattung

Der Teig muss hier eher flüssig sein. Dass Geheimnis von guten Crepeteig: Rühren bis einem fast der Arm abfällt und dann noch ein bisschen länger, also abwechseln. Danach noch ein paar Stunden in den Kühlschrank, falls der Hunger nicht schon zu gross ist.

Da schon Butter in dem Teig ist, kann der so in die Pfanne, also nicht erst die Pfanne einfetten. Nach knapp einer Minute von jeder Seite auf hoher Flamme sind die schon fertig. Einfach den Crepe sofort wenden, wenn die Oberfläche “trocken” ist.

Da nun wohl wieder zwei Eier aus dem gekauften 6'er Pack übergeblieben sind, kann man damit sich am nächsten Tag Frühstückseier machen. Oder man hat gleich den Zehnerpack gekauft und macht sich einen leckeren Uitsmijter. Toastbrot hat man ja eh schon, vielleicht sogar schon den Käse und Schinken (falls man nicht nur Nutella auf Brot essen möchte). Also Eier in die Pfanne und auch den Schinken anbraten. Kurz vor Ende noch den Käse auf's Spiegelei, damit dieser etwas Flüssig wird. Danach Schinken und Spiegelei mit Käse auf Toastbrot und ihr habt einen niederländischen Klassiker: Uitsmijter.

Was auch immer gut geht, da man in der Regel alles abgewogen kaufen kann ist Fleisch mit Gemüse in allerlei Variationen. Schmeckt alles super mit einer Prise italienischen Kräutern und einen Schuss purierte Tomaten, falls gerade im Essenssortiment vorhanden. Hier gehe ich mal nicht weiter auf die Zubereitung ein, dieser Artikel sollte ja auch kein Kochbuch werden, sondern mehr auf die Besonderheiten der Backpacker Küche eingehen.

In unserem Hostel Chez la Mer in Akaroa, Neuseeland konnte man sogar ein Backpacker Rezepte Buch kaufen, was die Besitzer des Hostels über die Jahre mit ihren Gästen zusammen getragen hatten. Haben wir nur leider vergessen zu machen. Wer da mal in der Nähe könnte uns gerne noch eins mitbringen.

Ansonsten sind auch gerne Ergänzungen und weitere Tipps zur Backpacker Küche als Kommentar mehr als willkommen.